Eines der bedeutendsten Schulbauvorhaben im Burgenland konnte am Samstag, dem 21. Oktober 1961, in feierlicher Weise abgeschlossen werden. An diesem Tage wurde das Zentralschulgebäude in Oberwart, bestehend aus der Handelsakademie und Handelsschule sowie der Volksschule, nach Vollziehung der kirchlichen Weihe seiner Bestimmung übergeben. Die Bedeutung des interessanten Festaktes wurde durch die Gegenwart des Landeshauptmannes Regierungsrat Lentsch, des Landeshauptmannstellvertreters Wastl, der Landesräte Billes und Polster, des Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Nemecz und der Abgeordneten zum Burgenländischen Landtag Bezucha, Graf, Dr. Kranich, Ing. Wagner und Wiesler, des Vertreters des Bundesministeriums für Unterricht, Ministerialrat Dipl. Ing. Bondy, leitender Beamter des Amtes der Burgenländischen Landesregierung darunter w. Hofrat Dipl. Ing. Moser, w. Hofrat Dr. Hinterlechner, w. Hofrat Paulesich, w. Hofrat Dr. Wolf und Landesbaurat Dipl. Ing. Vogl, des Bezirkshauptmannes w. Hofrat Dr. Dax, des Vorstandes des Bezirksgerichtes Oberwart Oberlandesgerichtsrat Dr. Roscher und sonstiger Behördenleiter von Oberwart, des Bezirksschulinspektors Tölly, der Direktoren der Oberwarter Schulen und der Hauptschulen im Bezirk Oberwart sowie des Lehrkörpers der Volksschule und zahlreicher anderer Persönlichkeiten besonders unterstrichen. - Nach einem Empfang im Rathaus, wo die Schülerinnen der Landeslehranstalt für Frauenberufe für ein vorzügliches Buffet gesorgt hatten, begaben sich die Festgäste in Begleitung der Vizebürgermeister Landtagsabgeordneter Ing. Wagner und Hotwagner zum neuen Schulhaus, wo die Begrüßung durch Schüler der Volksschule erfolgte. Der Festakt fand wegen des ungünstigen Wetters im Turnsaal der Anstalt statt, wo unterdessen die Schulkinder, deren Eltern und ein beachtlicher Teil der Bevölkerung Aufstellung genommen hatten. Die Oberwarter Stadtkapelle, dirigiert vom Musikschuldirektor Messner, sorgte im Verein mit einem Chor der Volksschule für die musikalische und gesangliche Umrahmung des Festaktes. Nach einer Begrüßung durch den Vizebürgermeister Ing. Wagner, der hiebei auch des durch eine Erkrankung verhinderten Bürgermeisters Brunner herzlich gedachte, nahm der Stadtpfarrer Dr. Heintz die Weihe des Hauses nach kath. Ritus vor. Der Pfarrer der Evang. Kirche H.B. Gyenge und der Pfarrer der Evang. Kirche A.B. Böhm brachten in ihren darauffolgenden Ansprachen in ungarischer bzw. deutscher Sprache zum Ausdruck, in welch hohem Maße christliche Erziehung in der Schule die Entfaltung der Persönlichkeit der Schüler fördere. - Sodann sprach Landeshauptmannstellvertreter Wastl über die Aufgabe der Schule in der Erziehung zur Demokratie und Zusammenarbeit, wobei er betonte, daß dieser Geist allein die Werke hervorgebracht habe, zu denen sich das burgenländische Volk gerade jetzt bei den Feiern aus Anlaß der 40. Wiederkehr des Tages der Heimkehr unseres Landes zu Österreich stolz bekannte. Die Jugend des Burgenlandes, die heute das Glück habe, solche moderne Schulen wie die der Stadt Oberwart zu besuchen, habe keinen Grund mehr, sich vom Minderwertigkeitsgefühl beherrschen zu lassen, wie dies ehedem unvermeidlich war, sie könne vielmehr erhobenen Hauptes mutig in die Zukunft schreiten. - Anschließend gab Landeshauptmann Regierungsrat Lentsch eine interessante Analyse der Schul- und Erziehungsprobleme in unserem Lande, der er durch die Herstellung der Verbindung zu den eben abgelaufenen Festwochen besondere Aktualität zu geben wußte. Aus seiner reichen Erfahrung vermochte er den Akkord der Erziehungsfaktoren Elternhaus, Schule und Kirche aufklingen zu lassen, in dem jeder Erziehungserfolg in Vergangenheit und Gegenwart begründet sei. Nach einem Bekenntnis zur gemeinsamen Arbeit im Landtag und in der Landesregierung gab der Landeshauptmann sodann einen Überblick über die Entstehung des neuen Schulhauses und dessen Kosten, die mit rund 13 Millionen Schilling errechnet worden seien. Zuletzt verbürgte er sich nach Herausstellung der vorzüglichen Lage der Stadt im Raume des südlichen Burgenlandes für das Bestreben, die Belange von Oberwart in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht jederzeit zu fördern. - Nach dieser Festrede wurde das Schulgebäude, das von den Architekten Dipl.Ing. Karl und Charlotte Pfeiler, Innsbruck, geplant und von Dipl.Ing. Schober, Oberwart, baukünstlerisch betreut worden ist, zur Besichtigung freigegeben. Die örtliche Bauleitung lag in der Dauer von drei Jahren bei der Hochbauabteilung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung. Die umfangreichen Baumeisterarbeiten wurden von der Arbeitsgemeinschaft Zachs (Marz) – Ing. Schwarz und Ing. Pieler (beide Oberwart) ausgeführt. - Das neue Gebäude umfaßt 16 Klassen für die Volksschule, 2 Klassen für die Sonderschule, einen großzügig dimensionierten Turnsaal, einen Gymnastiksaal (diese sportlichen Einrichtungen werden allen Kindern der Oberwarter Anstalten zugutekommen), Sonderräume für Knaben– und Mädchenhandarbeit, eine Schulküche und die Bildstelle für den Schulbezirk Oberwart, daneben das geschmackvoll eingerichtete Konferenzzimmer mit der anschließenden Direktionskanzlei. Grünanlagen und Hartplätze säumen das Schulgebäude in harmonischer und zweckmäßiger Weise ein. Die künstlerische Ausgestaltung des Hauses wurde dem burgenländischen akademischen Maler Ferry Zotter übertragen, der Sagen aus dem Burgenland zur Darstellung bringen wird. - Im Anschluß an diese Feier wurde in den Räumen der schon im Vorjahr ihrer Bestimmung übergebenen Handelsakademie im Beisein der Festgäste vom Vertreter des Bundesministeriums für Unterricht das kaufmännische Lehrbüro, sozusagen die Werkstätte der kaufmännischen Schüler, eröffnet. Diese Einrichtung für Bürotechnik ist eine Leihgabe des Bundesministeriums für Unterricht an die Stadt Oberwart als Schulerhalter und wurde um den Betrag von S 420.000.– angeschafft. Da dieses Ministerium zum Neubau der Städtischen Handelsakademie außerdem noch einen Baukostenzuschuss in Höhe von S 550.000.– gewährt hat, beträgt die Gesamtleistung des Bundes fast eine Million Schilling, ein Betrag, der von Stadt und Land mit besonderem Dank quittiert worden ist.
Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER
Kommentare
Sie haben eine Frage zu dem Bild oder möchten einen Kommentar dazu abgeben? Registrieren Sie sich bitte mit Namen und Email-Adresse bzw. melden Sie sich unter LOGIN an, wenn Sie schon registriert sind.