Ansichtskarte: "OBER-WART - Marktflecken" Hauptplatz // Geschichte der Wart bis 1848 - frei nach Dir. Alois Schaffer

Ansichtskarte: "OBER-WART - Marktflecken" Hauptplatz // Geschichte der Wart bis 1848 - frei nach Dir. Alois Schaffer

Das Marktrecht wurde Oberwart im Jahre 1841 verliehen, und da auch die Lithographische Anstalt Reiffenstein & Rösch schon 1854 in Wien gegründet worden war und nur bis 1871 von Benjamin Gottlieb Reiffenstein und Ludwig Rösch gemeinsam geführt wurde, kann als Datum des Drucks der Karte ca. 1860 angenommen werden. - Ganz rechts im Bild das Haus Wienerstraße 1 (später Gasthaus Ruiter, dann Forum), ca. in der Bildmitte das Haus Schulgasse 1 (später Haydnhof), links das Gebäude Hauptplatz 1 (Bezirkshauptmannschaft) und der Turm der röm. kath. Kirche, dessen Obergeschoss und der Zwiebelhelm aus der Zeit um 1800 stammen. // Die Geschichte Oberwarts – frei nach Dir. Alois Schaffer „Schulchronik der VS-Oberwart 1961 ff.“:Die Magyaren, nach ihrem König auch Arpaden genannt, hatten gegen Ende des 9. Jahrhunderts Ungarn begründet und zogen weiter gegen Westen. Diesen Eroberungszug beendete Otto der Große 955 mit seinem Sieg am Lechfeld. Daraufhin zogen sich die Magyaren wieder auf ihr Siedlungsgebiet zurück. - Westlich davon lag unbesiedeltes Ödland mit einem Grenzverhau, „Gyepü“ genannt. Es handelt sich dabei um stark bewaldete und absichtlich unwegsam gemachte Grenzstreifen mit den Bezeichnungen Duplatilos („Doppeltes Verbotenes“) und Újtilos („Neues Verbotenes“), die heute am nordwestlichen Eck des Oberwarter Hotters liegen. Dieser Grenzzone - aus ungarischer Sicht - vorgelagert wurden mehrere Warten (Oberwart, Unterwart, Siget in der Warth). An deren Spitze stand der Örynagy, ihm zur Seite die Wächter „Örallok“. (Anm.: Da sie auch die oberste Verwaltung des Gebiets darstellten, waren die Anführer der Wächter im Besitz von amtlichen Siegeln. Das größere - in ovaler Form - zierte in seiner Mitte ein Abbild des Apostels Petrus mit Schlüsseln, das kleinere - ebenfalls oval - zeigte in seiner Mitte einen Adler, der in einer Kralle ein Schwert, in der anderen eine Fahne hielt. Die Aufschrift lautete „Siegel der Grenzwächter“ in lat. Sprache. Bald wurde die Grenzsicherung durch den Ausbau der Komitatsburgen verstärkt und Oberwart dem Eisenburger Komitat zugeordnet. Zu dieser Zeit erfolgte auch die Ansiedlung der Grenzwächter „Speculatores“, die dem Volk der Szekler zuzuordnen sind. Typische Namen dieser Familien sind Bertha, Imre, Kazmer, Miklos, Kelemen, Pongracz, Farkas uvm. – Die erste Ansiedlung entstand wenige Kilometer nordwestlich des aktuellen Stadtgebiets in der heute „Ösztörmen“ genannten Ried. [Anm.: Die Rieden siehe Bild #9916 und #9917]; – Die Grenzwächter wurden schon von den Königen Bela IV., Stephan V. und Ladislaus IV. mit besonderen Vorrechten ausgestattet, die von Karl I. (ung. König Karl Robert [*1288/+1342] im Jahr 1327 nochmals bekräftigt wurden. Sie hatten weiterhin die Aufgabe, das ungarische Königreich gegen die Einbrüche der österreichischen Herzöge im Westen zu schützen. – Im Zuge der Feldzüge, die König Ladislaus IV. nach seiner Thronbesteigung 1272 gegen die Güssinger Grafen unternahm, war Oberwart zerstört und die Grenzwächter versprengt worden. Die Wiederherstellung der Warten erfolgte unter König Karl Robert im Jahr 1327, woraufhin das „neue“ Oberwart bereits im Tal der Pinka entstand. Die Ansiedlung erfolgte von SO nach NW und wird im Bereich der alten katholischen Pfarrkirche vermutet. Die erste urkundliche Erwähnung Oberwarts als „Fels-Eör erfolgte in einer Urkunde Karls I. im Jahr 1327. – Am 18. Feber 1582 erhielten die Nachkommen der Grenzwächter durch König Rudolf II. für ihre Verdienste königliche Schenkungen. In dieser Schenkungsurkunde sind folgende Namen genannt: Adam, Adorjan, Alberth, Andorko, Balas, Balla, Barthomej, Becsker, Benkö, Bertha, Berthok, Donge, Eördögh, Fabian, Fajt, Farkas, Filep, Finta, Folta, Gall, Gangol, Geörög, Kantor, Kazmer, Kelemen, Kiss, Kondor, Kollar, Leeb, Magyar, Merth, Miklos, Müer, Nagy, Orban, Oswalth, Otth, Pajor, Pal, Patyi, Pongracz, Pyerker, Seyper, Simon, Sisko, Stelcser, Thioba, Toth, Török, Tornyos, Varga, Vas, Zabo, Zambo und Zarka. Es handelte sich um 65 Familien, und auf manchen Arkadenhäusern fand man daraufhin ein „N“ für nemes (adelig), sowie die Anfangsbuchstaben des jeweiligen Namens und die Jahreszahl der Errichtung. Nach verschiedensten Einschränkungen ihrer verbrieften Rechte durch die Grundherrschaft der Batthyanys und der listigen Entwendung ihres Freiheitsbriefes durch Graf Christoph Batthyany II. (*1637/+1687) waren die Jahrzehnte danach vom Streit mit den Batthyanys geprägt. Im Revolutionsjahr 1848 kam es dann zur endgültigen Aufhebung des Adelsstandes der Grenzwächterfamilien. – Zur allgemein schlechten Wirtschaftslage im ausgehenden Mittelalter gesellte sich dann auch in Oberwart die Türkennot. Zur ersten Verwüstung des Gebiets kam es am Rückzug des osmanischen Heeres nach der Niederlage gegen Nikolaus Jurišić bei der Belagerung von Güns 1532. Unterstützt durch eine österreichische Truppe konnten jedoch am Kirschberg [Anm.: früher nach dem dort gelegenen Heidenfriedhof auch Heidenberg genannten, heute das Gebiet südwestlich der Klinik Oberwart] erste Lücken in die Reihen der Türken gerissen werden. Endgültig in die Flucht geschlagen wurden sie dann im Westen Oberwarts in der Ried „Csapota“ [Anm.: In der Falle; heute im Bereich Parkplatz gegenüber Augasse 4]. Da es damals zu starken Bevölkerungsverlusten gekommen war, kam es speziell im Tauchental zur Ansiedlung von Kroaten. Treibende Kraft dahinter war der hohe ungarische und österreichische Adel z. B. die Familien Batthyany, Erdődy und Esterhazy. – Die röm. kath. Pfarre dürfte bereits im 14. Jahrhundert entstanden sein. Im Jahre 1463 wurde erstmals erwähnt, dass es auch eine Kirche gibt, die im Kern ein romanischer Bau mit mächtigem Westturm, langem Schiff und kleiner eingezogener Rundapsis ist. - Durch all die Ereignisse im Zusammenhang mit den Türken fand die Reformation erst um 1560 ihren Weg in das Gebiet der Warten. Die Burg Güssing wurde zum protestantischen Zentrum, und wie in den meisten Orten trat man auch in Oberwart zum Protestantismus über. Die röm. kath. Kirche wurde zur reformierten, Pfarrer und Gemeinde wandten sich dem helvetischen Bekenntnis zu. Dies blieb auch so, als die Batthyanys unter Adam I. (*1609/+1659) wieder zum Katholizismus zurückkehrten. Die Reihe der ref. Pfarrer in Oberwart riss nicht ab. Einer der bekanntesten war von ca. 1629 oder 1630 bis 1658 Johann Szeremley, der auch als kalvinistischer Senior der Wart fungierte. An ihn erinnert noch heute eine Steintafel in der röm. kath. Kirche Maria Himmelfahrt mit dem Text „Anno 1656 / Iohann Szerem[l]ei / Pastore & / Blasio Fihlöp / aedituo exist / extructa turis” [Anm.: frei übersetzt: "Im Jahr 1656 wurde unter Pfarrer Johann Szerem[l]ei und Kurator Blasius Fihlöp ein Turm an das bestehende Gebäude angebaut"]. Unter seinem Nachfolger Pfarrer Martin Fülöp (1658 bis 1663) erschien zu Allerheiligen des Jahres 1663 der Eisenburger Propst Peter Tormäsy mit 500 deutschen Reitern im Ort, nahm Kirche und Schule gewaltsam in Besitz, vertrieb den reformierten Pfarrer und Lehrer, die er auch ihrer Habe beraubte, ließ das Pfarrhaus niederreißen, drang in adelige Häuser ein, die man plünderte, ließ das Volk blutig schlagen und die Geschworenen ohne Kleidung an den Bärten durch die Straße zerren. Dann sperrte er sie in ein leeres Zimmer und zwang sie, katholisch zu werden. Das hatte jedoch bis 1688 keine weiteren Auswirkungen auf den Glauben. Dann aber erfolge die Rekatholisierung und auch das Gotteshaus wurde wieder zum katholischen. Die Reformierten mussten ihr Gottesdienste in einer Scheune und dann in einem Oratorium aus Holz abhalten. Erst unter Maria Theresia erhielten sie 1769 die Erlaubnis zur Errichtung einer eigenen Kirche. 1784 folgte das neue Pfarrhaus und 1802 eine Schule. – Die ersten Evangelischen kamen um 1639 zum Großteil auf Grund ihrer Verfolgung aus den österreichischen Erbländern nach Oberwart. Nachdem jedoch auch hier die Grundherrschaft wieder katholisch geworden war, wurde ihre Lage wieder genauso schwierig wie in Österreich. Das änderte sich erst 1781 mit dem Toleranzpatent von Joseph II. Da die rein deutsche Oberwarter Gemeinde vorerst jedoch die Bedingungen für den Bau einer eigenen Kirche nicht erfüllte, war man der Pfarre in Oberschützen zugeordnet. 1820 wurde dann aber die eigene Kirche fertiggestellt und 1821 das Pfarrhaus und die Schule errichtet. Mit dem Protestantenpatent unter Kaiser Franz Josef I. wurden sowohl die reformierten als auch die evangelischen Bürger gleichberechtigt mit den Angehörigen aller anderen Konfessionen. – Während der Regierungszeit Leopolds I. (*1640/+1705) verbanden sich die Kuruzen - bewaffnete antihabsburgische Aufständische im Königreich Ungarn unter Graf Imre Thököly - mit den Türken, was zum 2. Türkenkrieg führte. Dieser brachte aber schließlich das Ende der türkischen Herrschaft in Ungarn. 1703 kam es dann noch zu einem Aufstand unter Franz II. Rakoczi, im Zuge dessen auch Oberwart stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Verteidiger hatten sich bereits durch den Bau von „Kuruzenwällen“ und der Befestigung des Ortsgebiets durch Wagenburgen vorbereitet. [Anm.: Daran erinnern heute die Ried Kuruczvölgy und die Kuruzengasse im Südwesten der Stadt. Die Schanzen befanden sich lt. Rolunk.at unter anderem bei Vargavölgy, Hőbölök, Pásfelett, Vörösdomb, Sűrő, hinter Tüskevár und rund um den reformierten Friedhof.] Im Kampf soll dann trotzdem so viel Blut geflossen sein, dass das Schlachtfeld einem roten See glich. Daran erinnert noch heute der „Vörösdomb“ (roter Hügel). – Kaum waren nun die letzten Folgen dieses Krieges beseitigt, brach 1710 in Oberwart die Pest aus und raffte weite Bevölkerungsteile dahin. - Wesentlich glimpflicher kam unser Gebiet während der Napoleonischen Kriege davon: 1809 wurde das Gebiet zwar von den Franzosen vorübergehend besetzt, es kam aber zu keinen schwerwiegenden Beeinträchtigungen. – Erwähnt soll hier auch werden, dass das ererbte kriegerische Talent der Warter mit dem in Ödenburg geborenen, einer alten Oberwarter Familie entstammenden Feldzeugmeister Ludwig August v. Benedek (1804-1881) eine der bedeutendsten Heerführergestalten der Monarchie im 19. Jahrhundert hervorbrachte. - 1832 schleppten Saisonarbeiter, die sich zur Ernte nach Csennye [Anm.: Dorf im Komitat Vas] begeben hatten, die Cholera in Oberwart ein. Die Epidemie rafft zwischen Juli und Oktober 52 Menschen hinweg. In den ref. Bücher ist dann für das Jahr 1847 vermerkt, dass im Ort „große Teuerung und Hungersnot herrschte“. - Im Revolutionsjahr 1848/49 stand die Bevölkerung und der Kleinadel von Oberwart (Felsőőr) mehrheitlich hinter der ungarischen Revolution und dem Freiheitskampf gegen das Haus Habsburg. Die vorerst entscheidende, eine sehr blutige Schlacht fand am Jésushegy und in der Ried Görbe (am Jesusberg und südlich davon) statt, aus deren Anlass es 1848 am damaligen Ortsrand nahe des Schlachtfelds zur Setzung des sogenannten "Roten Kreuzes" kam. Nichtsdestotrotz erfolgte aber die endgültige Unterwerfung der aufständischen Oberwarter am 24. April 1849 womit die sogenannte „ungarische Zeit“ des Freiheitskampfes gegen das Haus Habsburg endete.

JAHR DER ENTSTEHUNG

1860

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER

Herkunft des Bildes: Zur Verfügung gestellt von den Herren Walter Bruckner und Helmut Kirisits

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