„Die Errichtung des Bezirkskrankenhauses in Felsöör wurde bekanntlich durch den sich vor vielen Jahren gebildeten Felsőőrer Bezirkskrankenhausverein bewerkstelligt. Das zum Wohle der leidenden Menschheit ins Leben gerufene Institut steht nun fertig da und hat sein segensreiches Wirken noch im Herbste des vorigen Jahres begonnen. Wie wir bereits berichteten, ward dem Krankenhause auch schon das Oeffentlichkeitsrecht verliehen, dasselbe ist also mit allen nötigen Erfordernissen versehen. Ein Mangel aber machte sich bei dem Krankenhause stark fühlbar und zwar in der Leitung desselben, welche bisher ein Recht des Vereines bildete. Das Interesse der Vereinsmitglieder für die Institution sank in letzterer Zeit bis auf Null herunter, in Folge dessen die Gefahr nahestand, daß mit der Zeit in dessen Leitung und Verwaltung eine vollständige Stagnation eintreten werde. Die Generalversammlungen wurden so schwach besucht, daß sie zumeist beschlußunfähig waren und daher solche Verfügungen, welche einzig und allein in den Wirkungskreis derselben gehörten, trotz ihres dringlichen Charakters nicht ausgeführt werden konnten. Diesem Uebel mußte um jeden Preis gesteuert werden, wollte man die Existenz des Krankenhauses nicht aufs Spiel setzen. Und gesetzt den Fall, daß die Vereinsmitglieder weniger Gleichgültigkeit an den Tag gelegt und die Generalversammlungen zahlreicher besucht hätten, so wäre doch die Schwerfälligkeit einer so großen Körperschaft ein weiteres Hindernis für die prompte Leitung des Krankenhauses gewesen. - Es wurde daher beschlossen, dem Felsőőrer Bezirkskrankenhause den Charakter eines Stiftungskrankenhauses zu verleihen und dasselbe auf diese Weise von dem Bezirkskrankenhausvereine, welcher als solcher, infolge Erfüllung der sich gestellten Aufgabe gewissermaßen seine Existenzberechtigung verlor, unabhängig zu machen. Behufs Durchführung dieses Beschlusses fand am 13. d. M. eine Ausschußsitzung, am 14. d. M. aber eine Generalversammlung des Bezirkskrankenhausvereines statt. - Der Ausschußsitzung wohnten folgende bei: Präses Stefan Lauringer, Vizepräses Dr. Paul Hauler, Sekretär Dr. Johann Glatz, Kassier Eugen Bakos, Rechtsanwalt Dr. Max Frank und die Ausschußmitglieder: Adolf Halwax, Josef Luka, Samuel Schlenger, Ludwig Schodisch, Alexander Siskó und Samuel Suschny. Gegenstand der Sitzung bildete die Vorbereitung der auf den folgenden Tag einberufenen Generalversammlung und Ueberprüfung der Jahresschlußrechnung. Die Vorbereitung der Generalversammlung geschah schon in der letzten Ausschußsitzung und blieb also nur die Revision der Schlußrechnung übrig, womit die Ausschußmitglieder Josef Luka, Alexander Siskó und Samuel Suschny betraut wurden. Nach genauer Vergleichung der Daten und Belege mit den Büchern erklärten die Revisoren die Rechnung für richtig. Die Einnahmen beliefen sich derselben gemäß auf 42,946 K 18 h, die Ausgaben auf 30,791 K 4 h, woraus sich ein Kassarest von 2.155 K 14 h ergab, welcher Betrag in der Felsőőrer Sparkassa angelegt wurde. - Die Generalversammlung fand am 14. d. M. nachmittags um 2 Uhr im Gemeindehause zu Felsöör statt. Präses, Stefan Lauringer, erklärte nach Begrüßung der Erschienenen die Generalversammlung für beschlußfähig und eröffnete dieselbe. In Hinweis auf die Zustände im Vereine, welche als Folge der Indolenz der Mitglieder die Existenz des Krankenhauses gefährden, beantragt Präses, die Generalversammlung möge die Umgestaltung des bisher Eigentum des Vereines bildenden Krankenhauses zu einem Stiftungskrankenhaus beschließen. Die Generalversammlung faßte in diesem Sinne einen einstimmigen Beschluß und genehmigte auch den vollinhaltlich vorgelegten Stiftungsbrief. Derselbe lautet ungefähr folgendermaßen: Der Felsőőrer Bezirks-Krankenhausverein gründet mit Beschluß der heutigen Generalversammlung aus seinem ganzen Vermögen, welches aus dem im Felsőőrer Grundbuche verzeichneten Grundstücke und den darauf errichteten Krankenhausgebäuden, aus dem im angeschlossenen Inventar enthaltenen Einrichtungsgegenständen, dem in der Felsőőrer Sparkassa hinterlegten Bargelde und den ausständigen Mitgliedstaxen besteht und auf welchem ein zu Gunsten der Felsőőrer Sparkassa auf die Unbeweglichkeiten intabulirte pfandrechtlich gesicherte Schuld von 30000 Kronen lastet, eine selbständige Stiftung u. z. zu dem Zwecke, daß dieses Stiftungskrankenhaus zum Wohle der leidenden Menschheit, unabhängig von dem Vereine eine selbständige Tätigkeit ausübe. Die Stiftung führt den Namen: Felsőőrer Bezirks-Krankenhaus. Das Einkommen der Stiftung besteht, außer dem übergebenen Vermögen, aus den einzuziehenden Krankenverpflegetaxen, Spenden und aus den in der unten angegebenen Weise zu beschaffenden Mitgliedstaxen. Die Stiftung wird durch das Stiftungskuratorium mit folgender Zusammensetzung vertreten: Präses desselben ist von amtswegen der jeweilige Oberstuhlrichter des Felsőőrer Bezirkes. Mitglieder sind: der Bezirksarzt, ebenso der leitende Oberarzt des Krankenhauses. Zu den lebenslänglichen Kuratoriumsmitgliedern gehört: wirkl. Geheimrat Graf Julius Erdődy in Bašvörösvár [Anm.: Bašvörösvár (in historischen Quellen auch als Bas-Vörösvár bezeichnet) ist die historische ungarische Bezeichnung für Rotenturm an der Pinka.], als größter Wohltäter des Krankenhauses, dessen Opferwilligkeit man das Zustandekommen des Krankenhauses zumeist verdanken kann, – nach seinem Tode aber sein ältester, männlicher Nachkomme; es steht ihm das Recht zu, sich im Kuratorium durch einen Bevollmächtigten vertreten zu lassen. In Anbetracht der dem Krankenhause gegenüber bewiesenen Opferwilligkeit zählt auch die Großgemeinde Felsöör zu den ständigen Kuratoriumsmitgliedern und läßt sich durch den jeweiligen Gemeinderichter und zwei von der Repräsentanz auf die Dauer von je drei Jahren gewählte Gemeinderepräsentanten vertreten; aus demselben Grunde ist die Felsőőrer Sparkassa ständiges Kuratoriumsmitglied und deren Vertreter der jeweilige Direktionspräses. Ferner hat auch das Munizipium des Komitates Vas auf je drei Jahre zwei Vertreter in das Kuratorium zu wählen, welche aber nicht Komitatsausschußmitglieder sein müssen. Endlich wählen die unten aufgezählten Stiftungsmitglieder aus ihrer Mitte jedes dritte Jahr vier Mitglieder in das Kuratorium; außerdem haben in Vertretung des die Oberaufsicht ausübenden Komitates Vas, der jeweilige Vizegespan und Komitatsoberarzt Sitz und Stimme in den Sitzungen des Kuratoriums. Dem Stiftungskuratorium steht die Aufgabe zu, die Interessen der Stiftung im Sinne der Statuten zu vertreten, deren materielles Gedeihen zu fördern und dahin zu trachten, daß dieselbe ihrem edlen Zwecke je besser entspreche. Zu den Stiftungsmitgliedern, welche berechtigt sind aus ihrer Mitte vier Mitglieder in das Kuratorium zu wählen, gehören folgende: die gegenwärtigen gründenden Mitglieder des Felsőőrer Bezirkskrankenhausvereines lebenslänglich; des weiteren die gegenwärtigen ordentlichen Mitglieder desselben, aber nur so lange, als deren Mitgliederschaft im Sinne der Statuten dauert, ferner all diejenigen auf Lebensdauer, welche der Stiftung als gründende Mitglieder mit einem Beitrage von wenigstens 100 Kronen beitreten, endlich diejenigen, welche sechs Jahre hindurch jährlich mindestens 4 Kronen an Mitgliedstaxen entrichten, jedoch nur auf die Dauer ihrer Zahlungspflichtigkeit. Dem Stiftungskuratorium steht das Recht zu, diese Mitgliedstaxen eventuell zu erhöhen. Dieser Stiftungsbrief ist mit dem Inventar und den Statuten der hohen kön. Regierung zur Genehmigung zu unterbreiten. Die Generalversammlung genehmigte den vorgelegten Stiftungsbrief, ebenso die Statuten in allen Teilen. - Vor Schluß der Generalversammlung dankte der Reichstagsabgeordnete Dr. Julius Gueth namens der Mitglieder in gewählten Worten all denjenigen, welche das schöne, humane Werk zustande bringen halfen, besonders aber den Vereinsfunktionären und der Baukommission und erbat sich deren Mithilfe im Interesse des Institutes auch für die Zukunft. Auf seinen Antrag wird der Dank und die Anerkennung der Generalversammlung auch protokollarisch verewigt."
Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER
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