Die BF berichtet: „Erziehung im Geist von Demokratie und Toleranz“ Feierliche Eröffnung der Landeslehranstalt für hauswirtschaftliche und gewerbliche Frauenberufe – Ein Beweis für den Aufbauwillen des burgenländischen Volkes - Mit dem Bau der Anstalt wurde einer dringenden Notwendigkeit Rechnung getragen: Im Rahmen eines feierlichen Festaktes wurde am vergangenen Samstag die Landeslehranstalt für hauswirtschaftliche und gewerbliche Frauenberufe in Oberwart ihrer Bestimmung übergeben. Das herrliche Schulgebäude, das nach modernsten Grundsätzen erbaut und eingerichtet worden ist, stellt einen weiteren Beweis für den Aufbauwillen des burgenländischen Volkes dar und trägt einer dringenden Notwendigkeit des Schulwesens im Land Rechnung. – Zur Eröffnungsfeier der Anstalt, die mit der Begrüßung durch die Schuljugend und den kirchlichen Weiheakten ihren Anfang nahm, waren Landeshauptmann Johann Wagner, die Landesräte Stephan Billes und Josef Lentsch, ein Vertreter des Unterrichtsministeriums, die Vertreter der Baufirmen und der staatlichen Bauleitung, sowie die am Bau beschäftigt gewesenen Arbeiter erschienen. – Im Verlauf seiner Festansprache führte Landesrat Stephan Billes aus, daß mit der Eröffnung dieser neuen Anstalt der Kranz der Aufbauleistungen im Lande um ein weiteres, zweckmäßiges Werk erweitert werden konnte. Schließlich wollen ja Österreich und unsere engere Heimat Burgenland durch großzügige öffentliche Investitionen den Beweis erbringen, daß in diesem Land ein aufstrebendes, arbeitsfreudiges Volk lebt. Aber alles die bisherigen bedeutsamen Leistungen waren nur möglich, weil alle positiven Kräfte zusammengearbeitet haben und dieses harmonische Zusammenwirken hat unsere Wirtschaft heute bereits so gefestigt, daß in Österreich zur Zeit nicht weniger als zwei Millionen Menschen Beschäftigung finden, während in den Jahren der 1. Republik selbst zum günstigsten Zeitpunkt die eineinhalb-Millionen-Grenze nicht überschritten werden konnte. Leider müssen wir aber auch in diesem Zusammenhang immer noch auf die bedauerliche Tatsche, verweisen, daß viele burgenländische Arbeiter in der engeren Heimat keine Beschäftigung finden und daher lange Zeit getrennt von ihren Familien leben müssen. – Seit dem Jahr 1945 hat für uns die Devise gegolten „Mit vereinten Kräften – Für den Aufstieg Österreichs!“. Und das Ergebnis dieser Anspannung aller Kräfte stärkt nicht nur das Selbstbewußtsein der Burgenländer, sondern ringt auch den vielen fremden Besuchern des Landes ehrliche Bewunderung ab. Wir dürfen hier an die große Zahl der neuerbauten Schulen denken, an die Fertigstellung moderner Amtsgebäude und an die großzügige Ausgestaltung unseres Straßennetzes, nicht zuletzt aber auch an die beiden großen im Bezirk Oberwart errichteten Bauten in Bad Tatzmannsdorf und am Hirschenstein. Beide Anstalten dienen der Volksgesundheit und helfen mit, der österreichischen Wirtschaft die Schaffensfreude unserer arbeitenden Bevölkerung zu erhalten. – Was im Besonderen die Berufsausbildung unserer Jugend betrifft, mußte nach der Fertigstellung der Landesberufsschule in Pinkafeld an eine Ausbildungsmöglichkeit für die Mädchen gedacht werden. Für diese ist nun in knapp drei Jahren und mit einem Kostenaufwand von vier Millionen Schilling eine moderne zweckmäßige Anstalt errichtet worden. Für sie hat die Volksvertretung des Landes gerne die erforderlichen Mittel bewilligt, weil dadurch eine Einrichtung geschaffen werden konnte die der weiblichen Jugend jene Ausbildung vermittelt, welche sie befähigt, den harten Lebenskampf zu bestehen. – Wir haben in diesem Zusammenhang nur einen Wunsch: Möge diese neue Erziehungsanstalt dazu beitragen, daß unsere Jugend im Geiste der Demokratie und der Toleranz aufwächst, und wenn auch die Lehrerschaft dieser Anstalt ihre Aufgaben in diesem Sinne auffaßt, dann wird es ein leichtes sein, diese Ideale auch der jungen Generation näherzubringen. Ich wünsche nur, daß Lehrer und Schüler in harmonischer Zusammenarbeit ihre Ziele erreichen, zum Wohle unserer Heimat und der Zukunft unseres Volkes. – Landesrat Billes gedachte schließlich der vorbildlichen Tätigkeit aller am Bau des Gebäudes beschäftigten Arbeiter und sprach ihnen sowie dem Architekten, den Bauführern, der staatlichen Bauleitung und den Baufirmen den herzlichen Dank aus. – Mit dem Absingen der Landeshymne und er Bundeshymne fand die eindrucksvolle Eröffnungsfeier ihren würdigen Abschluß. An sie schloß sich die Besichtigung des Schulgebäudes und der Ausstellung. Am Nachmittag stellten die Schülerinnen den Gästen im Rahmen einer Modenschau ihre Fähigkeiten unter Beweis".
Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER
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