Oberwarther = Sonntagszeitung vom 10. Jänner 1932: Zum Tod des königl. ung. Notars Stefan Hrabovßky (*1851/+1932)

Oberwarther = Sonntagszeitung vom 10. Jänner 1932: Zum Tod des königl. ung. Notars Stefan Hrabovßky (*1851/+1932)

"Stefan Hrabovßky † - Einer der Besten, ein treuer Sohn seiner Kirche, ist aus dem Leben geschieden, der sein ganzes Wissen und Wollen in den Dienst des hehrsten Idealismus gestellt; und demokratisch war sein Handeln, Denken und Fühlen; Pflicht-Mensch gewesen durch und durch; der nun auch erfüllt hat, was Seneca die letzte Pflicht nennt: das Sterben... Ein Leben ist abgeschlossen, das stets getragen war von reicher Arbeitslust und Arbeitsfreude. Ein Leben voll Inhalt, Festigkeit der Ueberzeugung und Furchtlosigkeit. Dies zu betätigen, bildet den Granitunterbau seiner Persönlichkeit. Ein strenger Gesinnungsmensch, in dem ein Stück Naturkraft lebte. Und der ganze Ernst seiner puritanischen Lebensführung war nicht bloß Form, sondern bildeten Wesen und Kern des Verstorbenen. - Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Samstag den 2. d. M. in den frühen Morgenstunden die Kunde von dem Hinscheiden dieses Mannes, der in seinem 86. Lebensjahr entschlafen ist. - Der Verstorbene war am 21. Oktober 1851 im Egyhazashettye [Anm.: Dorf im Komitat Vas] geboren. Nachdem er die Elementarschule in seinem Geburtsort absolvierte, wurde er an das Gymnasium nach Preßburg geschickt, worauf er seine Studien an der Preßburger, Wiener und Budapester Universität fortsetzte. Nach Vollendung derselben absolvierte er seine Militärdienstpflicht und machte den Okkupationsfeldzug in Bosnien mit, wobei er sich durch seine Tapferkeit besonders hervortat. In einem Treffen bei Behacs wurde Oberst Baron Elz von einer Kügel tödlich getroffen. Die Infanteristen Hrabovßky und August Aikelin Freude trugen den Oberst aus dem Schlachtgewühl. Nach dem Feldzug zurückgekehrt, ließ, er sich in Oberwarth als Rechtsanwalt nieder. - Im Jahre 1899 wurde er mit den Agenden eines königl. ung. Notars betraut, welches Amt er durch 23 Jahre, davon 10 Jahre unter Oesterreich, bis an sein Lebensende innehatte. Im Jahre 1887 wurde er zum Inspektor des Obereisenburger Seniorates gewählt, welches Amt er durch 31 Jahre bekleidete. In dieser Eigenschaft sowie als Mitglied der Hochschulkommission wie als Beisitzer des höchsten Disziplinargerichts und als unerschrockener Verteidiger der Rechte seiner Kirche erwarb er sich unvergängliche Verdienste. Er bekleidete viele Jahre hindurch das Amt eines Mitglieds des Komitats Ausschusses, gehörte durch viele Jahre der Gemeindevertretung in Oberwarth an und war Direktionsmitglied der Oberwarther Sparkasse seit deren Gründung. - Daß er auch auf anderen Gebieten des öffentlichen Lebens eine hervorragende Stellung einnahm, war ja selbstverständlich, denn seine wissenschaftliche Bildung, seine geistigen Fähigkeiten und sein makelloser Charakter prädestinierten ihn zur führenden Rolle. Bei Ausübung seiner Tätigkeit im öffentlichen Leben konnte er warm werden und kräftig verlieh er seiner Ansicht Ausdruck. Und dabei war der Mann, der so hitzi im Wort sein konnte, von Haus aus eine gute Seele, die niemand etwas Böses zufügen wollte, sondern nur mit Feuereifer für das eintrat, was er für gut und recht hielt, dem jedes Versteckte, jede Lüge bis in den Grund seiner Seele zuwider war. - Ihm selbst, der mit der Tochter des Oberwarther ref. Seelsorgers Alexander Gueth einen eigenen Herd gründete, war neben mancher Freude an den heranblühenden Kindern auch Leid nicht versagt, und er mußte das schwerste Kreuz, das sein Vaterherz betrifft, über sich ergehen lassen, als er an der Bahre seines im blühenden Alter dahingerafften Sohnes stand. Doch trug er auch dieses schwere Los ohne Murren ergeben in sein Schicksal. - Glaubenstreue ist überhaupt eine Haupttugend des Hrabovßkyschen Geschlechtes und unter seinen Vorfahren gab es manch hervorragenden kirchlichen Würdenträger. Obwohl Stefan Hrabovßky ein treuer Anhänger seiner Kirche war, stand ihm jedwede Unduldsamkeit Andersgläubigen gegenüber fern. Toleranz in Glaubenssachen gehörten zu seinen markantesten Charaktereigenschaften. - Um seine Bahre stand anläßlich des am 4. d. M erfolgten Begräbnisses neben Gattin und Kindern, die einen guten und fürsorglichen Gatten und Vater verloren, sowie einer zahlreichen Verwandtschaft eine trauernde Gemeinde und viele Freunde und Verehrer des Verstorbenen. Nicht nur ganz Oberwarth gab dem Toten das letzte Geleite, sondern auch aus der ganzen Umgebung hatten sich zahlreiche Leidtragende eingestellt. Insbesondere war die ev. Geistlichkeit und Lehrerschaft des Seniorates mit Superintendent Bayer und Senior Reiter vertreten. Auch die Spitzen der Behörden nebst zahlreichen Mitgliedern des Beamtenkörpers sowie die Geistlichen und Lehrer der anderen Konfessionen Oberwarths und der Lehrkörper der ev. Schulanstalten von Oberschützen warm erschienen. Die Trauerzeremonie beim Hause vollzog Konsenior Paul Geißtlinger. Vom Trauerhause setzte sich der unabsehbare Leichenzug nach dem Gottesacker in Bewegung. Dort wurde ein Gemeindegesang angestimmt, nach welchem Superintendent Theophil Bayer tief ergriffen das Einsegnungsgebet sprach und mit dem Vaterunser in ungarischer Sprache beendete. Sodann vollzog er die feierliche Einsegnung, worauf der Sarg ins Grab versenkt wurde. Sowohl beim Hause als auch am Grabe brachte der Oberwarther Männergesangverein unter Leitung seines Chormeisters Fritz Mühl ergreifende Trauerchöre zum Vortrag".

JAHR DER ENTSTEHUNG

1932

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER

Herkunft des Bildes: © ÖNB – ANNO: Historische österreichische Zeitschriften und Zeitungen

Kommentare

Sie haben eine Frage zu dem Bild oder möchten einen Kommentar dazu abgeben? Registrieren Sie sich bitte mit Namen und Email-Adresse bzw. melden Sie sich unter LOGIN an, wenn Sie schon registriert sind.

REGISTRIEREN oben