Oberwarther = Sonntagszeitung vom 1. Juni 1930: Neuer Sportplatz [Fußballplatz] des Oberwarther Athletik-Sportvereines

Oberwarther = Sonntagszeitung vom 1. Juni 1930: Neuer Sportplatz [Fußballplatz] des Oberwarther Athletik-Sportvereines

„Neuer Sportplatz des Oberwarther Athletik-Sportvereines. Die Eröffnung dieses neuen Sportplatzes, welcher, hinter der Garage und dem Szita-Kastell gelegen, auf dem Grunde der reformierten Kultusgemeinde angelegt wurde, gestattete sich zum größten Sportfest, das Oberwarth je gesehen hat. Der Wettergott war dem tatkräftigen, opferwilligen Verein besonders gewogen, weder Wind noch Regen störte die Veranstaltungen oder die Festesstimmung. Um 2 Uhr betraten zwei Handballmannschaften aus Oberschützener Studenten den Platz, stürmisch begrüßt von den Zusehern. Schwarz: Arnhold, Lang M., Frankl, Perl, Rakosi, Fürk, Böhm, Prasch, Dobrovits, Oberrisser. Weiß: Tarjan, Petsowits, Prof. Graf, Michl, Morascher, Lantschner, Hutter, Krajevski, Oberbauer, Supper, Lindbauer. Sie führten ein sehr schönes Spiel vor. Ungeteilte Anerkennung fand die Schnelligkeit und die Sicherheit im Ballfangen. Das Spiel war sehr anregend und das Publikum sparte nicht mit Beifall für die glänzenden Leistungen. Dieser Sport, der in Oberwarth noch ganz unbekannt war, hat sich sofort die Sympathie der Sportfreunde erworben. Der Kampf endete 7 :3 zugunsten der Schwarzen, die auch tatsächlich die bessere Mannschaft war. Torschützen für Schwarz: Prasch 4, Dobrovits 2, Türk 1; für Weiß: Oberbauer 2, Krajevski 1. Schiedsrichter Ingenieur Heustulz war sehr gut. - Immer mehr und mehr Zuseher strömen auf den Platz, nicht nur aus Oberwarth, sondern auch aus den Umgebungsorten, und deren Zahl von zirka 1200 ist für einen Ort wie Oberwarth etwas Außergewöhnliches. Unter klingendem Spiel betreten nun eine Mannschaft des Wiener Sportklubs Ottakring und die Mannschaft des Festvereines den Platz. Mitglied Dr. Schuster hielt nun die Eröffnungsansprache, begrüßte die Erschienenen, insbesonders die Vertreter der Behörden, Oberregierungsrat Alzner, Dr. Guggenbichler, Finanzrat Dr. Zimmer, die Richter Dr. Withofner und Stark, Dr. Gabler als Vorsitzenden des burgenländischen Fußballverbandes, Superintendent Bajcsy, Amtsrat Uchatius und Oberrevident Sittauer sowie die anderen zahlreichen Sportfreunde, aus Wien das Verbandsvorstandsmitglied Steno, den Schiedsrichter Bundesbahnrevident Löw, den Sportklub Ottakring mit seinem Vorstand und die eigene Mannschaftself. Die Anlegung eines Sportplatzes sei wegen der drohenden Gefahr der Einziehung des bisherigen Sportplatzes eine unvermeidliche Pflicht geworden, um die sportlustige Jugend nicht plötzlich obdachlos zu machen. Der Platz, mit 100 m Länge und 65 m Breite, ist in seinen Dimensionen den Vorschriften entsprechend. Redner dankte namens des Vereines allen Mitwirkenden, insbesonders der politischen Gemeinde, der reformierten Kultusgemeinde, Oberbaurat Köhler und Zika, Baumeister Steurer und den eigenen Vereinsmitgliedern, die die Ebnungsarbeiten ausgeführt hatten. Mit einem Appell an die Vereinsmitglieder, den Platz stets als das zu halten, wofür er geschaffen wurde, und einer Bitte an die Oberwarther, dem Verein auch weiterhin die Sympathie zu bewahren, wurde der Platz seinem Zweck übergeben, - Dr. Gabler, als Vorsitzender des Burgenländischen Fußball-Verbandes, beglückwünschte den Verein zu seinem Schaffen und seinem neuen Platz, ebenso der Vorstand des Ottakringer Sportklubs. Dr. Schuster überreichte nun der Gästemannschaft einen prachtvollen Wimpel zur Erinnerung an das Eröffnungsspiel, worauf mit dem Ankick durch die Gemahlin des Vereinsobmannes Frau Neubauer das Spiel begann. - Die vom Oesterr. Fußballbund für die Eröffnung gesandte Mannschaft des Ottakringer Sportklubs ist die beste erstklassige Wiener Amateurmannschaft. Sie zeigte auch, besonders in der ersten Halbzeit, echten guten Wiener Fußballsport. Besondere Anerkennung fanden die Schnelligkeit der Spieler, das ausgezeichnete präzise Paßspiel, die vorbildliche Kombination und die Sicherheit in der Ballbehandlung. Die Elf war in allen Teilen sehr gut, besonders Stürmer- und Halfreihe. Die Verteidigung hatte wenig Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Dieser Mannschaft gegenüber waren die Athletiker, und zwar: Gartner, Hafner, Sieger II, Bolcin, Zambach, Rößler; Vörösmarti, Gyaki, Sieger I, Drobitsch, Polster von vornherein unterlegen. Abgesehen von der Ermüdung durch die alle Mitglieder beschäftigenden Vorarbeiten, sah man allen eine Nervosität, sogenanntes Lampenfieber, an. Die Einheimischen waren in den meisten Teilen gegenüber den Wienern auch körperlich schwächer, vor allem aber waren sie keine Läufer, was besonders ins Gewicht fällt, da sie bisher auf einem bloß 82 m langen Platz in Oberwarth gespielt haben. Die Mannschaft hat aber den Wienern einen sehr zähen Widerstand geleistet. Jeder arbeitete mit größter Aufopferung und Ausdauer. Alle waren brav, hervorzuheben wären vor allem der Tormann Gartner, welcher Bälle, die scheinbar unhaltbar schienen, unschädlich machte. Die Verteidigung war unermüdlich in der Abwehr, manchmal etwas unsicher. In der Halfreihe, die gut spielte, war Zambach der beste, der auch viel der Verteidigung zu Hilfe eilte, die Stürmerreihe hat sich redlich bemüht, zu Trefferehren zu kommen, leider war der Erfolg versagt. Besser war die rechte Seite. Vom Ankick weg übernehmen die Wiener das Kommando und bereits in der dritten Minute erzielen sie den ersten Treffer. Sie bleiben im Feld der Oberwarther, die sich nur selten Luft machen können, und waren in der ersten Hälfte noch zweimal erfolgreich. Nach Seitenwechsel raffen sich die Oberwarther auf, kommen aber selten über die gegnerische Halfreihe, während die Gäste jetzt alles daransetzen, möglichst viel Tore zu schießen und tatsächlich auch noch 5 erzielen. Kurz vor Spielschluß gelang es Steger allein vor das gegnerische Tor zu kommen, er wird unschön mit der Hand vom Ball gerissen; leider brachte der Strafstoß keinen Erfolg. Das Ergebnis 8: 0 ist nicht überraschend. Schiedsrichter Löw war sehr gut. Jedenfalls haben die Athletiker gesehen, daß sie noch viel zu lernen haben, insbesonders Laufen und eine Hebung des Sportes ist eben nur zu erwarten, wenn stärkere Mannschaften zu Wettspielen gewonnen werden. - Anschließend fand ein Schaustemmen der Schwerathletikriege des Vereines statt. Die Darbietungen fanden den verdienten Beifall der Zuseher. Zum Schluß betraten die mit Spannung erwarteten Dicken und Langen zu einem Fußballkampf den Platz. Bei den Dicken: Neubauer; Stumpf, Oberbaurat Köhler, Asboth, Denner, Dr. Mann, Langheinrich, Löwy, Jlles, Blasy, Zika; bei den Langen: Weixelbaum, Koczor, Pierer, Dr. Keßeldorfer, Farsky, Pogacsas, Lang Ferd., Groll, Lang, Lehmann, Smoljan. Schiedsrichter Dr. Schuster. Es gab unter ihnen einige alte Fußballer, welche sich zu spielen getrauten, die meisten aber hatten Angst vor dem Ball. Sie zeigten eine solidarische Undiszipliniertheit gegenüber dem Schiedsrichter, dessen Hupensignale statt des Pfeiferls meist ignoriert wurden. Das einzige Tor schoß Groll von den Langen, die zwar anfangs ein Eigentor beim Goalkik verschuldeten, was aber nicht gegeben wurde. Gegen Schluß versuchten die Dicken durch ihren vorzüglichen Tormann Neubauer, der ein fabelhaftes Laufvermögen bekundete, Handball zu spielen und ein Tor zu erzielen, leider vergebens. Die Spielstrapazen waren so gewaltig, daß heute noch die meisten jammern. Abends fand eine gemütliche Zusammenkunft der Spieler und Teilnehmer bei Neubauer statt".

JAHR DER ENTSTEHUNG

1930

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER

Herkunft des Bildes: © ÖNB – ANNO: Historische österreichische Zeitschriften und Zeitungen

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