Die Zeitung schreibt: "Rathausweihe in Oberwart. am 4. September 1944. Nun sind jene Tage, die für Oberwart ein so wichtiges Ereignis brachten, bereits Vergangenheit geworden und die, die einst nach uns kommen, werden die Erlebnisse der Rathausweihe in Oberwart am 3. und 4. September 1949 bereits als ein Stück Geschichte der Stadt Oberwart von ihren Vorfahren übernehmen. - Fröhlich war der Auftakt am Abend des 3. September, wo unter klingendem Spiel im Fackelzug die Feuerwehr, der Gesangsverein, der Sportclub und die Schulen, sowie eine große Anzahl Einwohner durch die Stadt marschierten, um dann beim festlich geschmückten und beleuchteten Rathaus zu defilieren. Es war so viel Frohsinn und Freude um diesen Beginn der Feierlichkeiten, so viel ungebeugte Lebenslust. Doch wer dann in nächtlich stiller Stunde über den ruhig und leer gewordenen Platz schritt und das märchenhaft schöne Bild des beleuchteten Rathauses in sich aufnahm, wird diesen unsagbar schönen Anblick wohl lange Zeit nicht vergessen können. Zauberhaft unwirklich hebt sich der beleuchtete Turm vom Dunkel des Nachthimmels ab und gleich einem Meer von Licht verströmt die unwirkliche Helle über Balkon und Portal. Unwillkürlich stockt der Fuß und das Auge trinkt die Schönheit dieses märchenhaften Bildes in sich hinein als etwas ganz Köstliches, um es festzuhalten für lange, lange Zeit. Von irgendwo hört man näherkommende Schritte, Lachen klingt auf und Stimmen dringen an dar Ohr. Langsam findet man wieder zurück in die Wirklichkeit und wird sich des allzu irdischen Lebens um sich herum bewußt. Behutsam beginnt man wieder einen Fuß vor den anderen zu setzen, geht seines Weges weiter und träumt vielleicht von einer Märchenstadt in der alles so schön ist und alle Menschen gut sind. - Strahlend steigt die Sonne am Morgen des 4. September, dem eigentlichen Festtag, aus dem Dunkel der Nacht und ein Tag ersteht, schön wie er nur sein kann und begrüßt die mit Fahnen geschmückte Stadt. Wieder ist es das klingende Spiel des Weckrufes, der die Bewohner zu so früher Stunde aus den Betten lockt und sie ruft zur Feier dieses Tages. - Bereits um 8.15 Uhr wurde Herr Landesrat Wagner, Herr Bezirkshauptmann Penzinger und die übrigen Ehrengäste aus Eisenstadt durch Herrn Bürgermeister Strauß und den Fraktionsführern Dr. Nemecz und Asboth im Amtsraum des Bürgermeisters empfangen und herzlich willkommen geheißen, während sich die übrigen Ehrengäste und Gemeinderäte im Beratungsraum versammelten, wo sie dann durch Bürgermeister Strauß den Ehrengästen aus Eisenstadt vorgestellt wurden. - Um 9.15 Uhr fand anschließend im Rathaussaal die Festsitzung statt, die von Bürgermeister Strauß mit einer Ansprache und einem Rückblick eröffnet wurde. Anschließend sprachen der Fraktionsführer der OeVP, Dr. Nemecz und der Fraktionsführer der SPOe, Herr Asboth, deren Worten sich die eindrucksvolle Rede des Herrn Bezirkshauptmannes Reg.-Rat Dr. Penzinger anschloß. Bürgermeister Strauß schloß hierauf die Festsitzung und wurde abschließend vom Männergesangsverein Oberwart die Bundeshymne zum Vortrag gebracht. - Die Teilnehmer an der Festsitzung begaben sich vom Sitzungssaal auf den Balkon des Rathauses, wo nach Absingen des Liedes „Das ist der Tag des Herrn“ durch den Männergesangverein Oberwart, Senior Pfarrer Schmidt das Wort zu seiner ausführlichen Rede ergriff, dem sich die eindrucksvollen Worte des Pfarrer Tölly anschloßen. Nun folgte die kirchliche Weihe des Rathauses nach röm. kath. Ritus durch Pfarrer Pal, welcher unter Assistenz des Kaplanes, sämtliche Räume des neuen Rathauses weihte und Bürgermeister Strauß ein geweihtes Kruzifix zum Schutze des neuen Rathauses überreichte, während der Männergesangsverein das Lied „Die Himmel rühmen" intonierte. Nach Beendigung der Weihe sprach Pfarrer Pal in eindrucksvollen Worten zu der großen Zahl der Teilnehmer an diesem weihevollen Akt. - Bürgermeister Strauß richtete sodann herzliche Worte der Begrüßung an alle Anwesenden, worauf Herr Bezirkshauptmann Reg.-Rat Dr. Penzinger zur Menge sprach. Anschließend ersuchte Bürgermeister Strauß Herrn Landesrat Wagner die Festrede zu halten und die Enthüllung der Gedenktafel vornehmen zu wollen. - Landesrat Wagner ergriff hierauf das Wort zu der von ihm gehaltenen und von allen Zuhörern mit großer Begeisterung aufgenommenen Festrede in deutscher und ungarischer Sprache, nach deren Beendigung die Enthüllung der Gedenktafel stattfand. Nach Enthüllung der Gedenktafel begaben sich Landesrat Wagner, Bezirkshauptmann Reg.-Rat Dr. Penzinger, Bürgermeister Strauß, der Fraktionsführer der OeVP Dr. Nemecz und der Fraktionsführer der SPOe Asboth, sowie die übrigen Gemeinderatsmitglieder vor den Rathauseingang, worauf durch Bürgermeister Strauß die feierliche Uebergabe des neuerbauten Rathauses an die Oeffentlichkeit erfolgte. Die folgenden weihevollen Klänge der Bundeshymne, gespielt von der Kapelle Rauscher beendeten den offiziellen Teil des Tages. Das Rathaus wurde sodann zur allgemeinen Besichtigung freigegeben. - Bei der nun eintretenden Mittagspause trafen sich sämtliche Ehrengäste und Mitglieder der Gemeindevertretung zu einem gemeinsamen Festessen im Gasthof Seper. - Um 14.30 Uhr begann das Platzkonzert der Kapelle Rauscher im Stadtpark bei ungemein zahlreicher Zuhörerschaft. Ein Volksfest am Sportplatz, das um 16 Uhr seinen Anfang nahm, setzte die Reihe der Veranstaltungen fort und sorgte nun, nachdem der offizielle Teil sein Ende gefunden hatte, für Frohsinn und Heiterkeit. Frohe Tanzweisen ertönten und wechselten ab mit Liedervorträgen des Gesangvereines Oberwart. Es wurde fleißig getanzt, gelacht und gescherzt und wie im Flug verging die Zeit. Langsam begann die Dämmerung des Abends hereinzubrechen und das Dunkel der Nacht senkte sich über die Erde. Es kam die Zeit wo die ersten Raketen des angekündigten Feuerwerks zum Himmel stiegen, wo die Augen der großen und kleinen Kinder wie gebannt zum Himmel blickten und den Lauf der goldenen, blauen, roten und grünen Sterne und Kugeln gespannt verfolgten, bis der letzte der bunten Sterne am dunklen Nachthimmel verlöschte. Weiter ging das Fest, die Musik spielte zum Tanz, Lachen und Scherzen erfüllte den Platz. Still und geheimnisvoll steht das Dunkel der Nacht über der Stadt und wieder ist es das zauberhaft schöne Bild des beleuchteten Rathauses, das unsere Schritte hemmt und unsere Blicke gefangen nimmt. Ist es nicht als wenn sich hoch oben im Turm, aus dem wundersamen Spiel von Licht und Schatten feenhafte Gestalten lösen würden, die schützend und segnend ihre Hände breiten über die schlafende Stadt während ganz von ferne die Melodien der Tanzweisen von dem Volksfest erklingen, zu dem die Weihe dieses eigenartig schönen, in silbriges Licht getauchten Rathauses von Oberwart den Anlaß gegeben hat".
Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER
Kommentare
Sie haben eine Frage zu dem Bild oder möchten einen Kommentar dazu abgeben? Registrieren Sie sich bitte mit Namen und Email-Adresse bzw. melden Sie sich unter LOGIN an, wenn Sie schon registriert sind.