Julius Bajcsy war ab 1896 Pfarrer in Oberwart. 1899 wurde ein neues Schulhaus errichtet. Die ungarischsprachige kalvinistische Bevölkerungsgruppe hatte mit Alexander Sisko, zeitweise Kurator und über Jahrzehnte Bürgermeister, auch politisch die führende Rolle. Mit dem Anschluss an Österreich geriet die reformierte Gemeinde in eine doppelte Isolation. Oberwart musste sich 1923 der reformierten Kirche in Österreich anschließen, hielt aber auch weiterhin an den kirchlichen Gesetzen und Gepflogenheiten der ungarischen reformierten Kirche fest. Die reformierte Schule konnte mit ungarischer Unterrichtssprache weitergeführt werden, ab 1922 war die deutsche Sprache Pflichtgegenstand. Bajcsy wurde Superintendent- Stellvertreter der Reformierten in ganz Österreich. Er ging 1938 in den Ruhestand, lebte aber weitere zwanzig Jahre in Oberwart, in einem Haus, das ihm die Kirchengemeinde erbaut hatte. - Pfarrer Bajcsy übte sein Amt in Oberwart also von 1897 bis 1938 aus. (Siehe auch bild #4289); - Biographie nach Gerald Schlag „Burgenland – Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien“ : Julius Bajcy wurde am 29. April 1865 in Dunamocs, einer Gemeinde im Südwesten der heutigen Slowakei, geboren. Er absolvierte das Gymnasium in Preßburg und Pápa und studierte dann an der Theologischen Akademie H.B. in Pápa. Anschließend war er Vikar in Magyarsok und Bátorkeszt (Komitat Nyitra), kam 1888 nach Szap und 1891 als bischöflicher Kaplan nach Komorn. Von 1892 bis 1897 war er Pfarrer in Nagytany und wurde am 21. Jänner 1897 von der Reformierten Gemeinde H.B. in Oberwart zu ihrem Pfarrer gewählt. - Hier gelang es dem gewandten und mitreißenden Prediger bald, sowohl dem kirchlichen Leben, als auch der Kultur- und Bildungsarbeit der Schule, im ungarischen Leseverein, im Chor und in der Laienspielgruppe neuen Schwung zu geben. Als das Burgenland 1921 an Österreich angeschlossen wurde, bemühte sich Bajcsy vergeblich, die Reformierte Gemeinde Oberwart wenigstens kirchlich bei der ungarischen Kirchenprovinz verbleiben zu lassen, oder zumindest innerhalb des evangelischen „Warter Seniorats“ halten zu können. Doch wurde auch die Kirchenorganisation konsequent den neuen staatlichen Gegebenheiten angepasst und die Oberwarter Gemeinde 1922 der Wiener Reformierten Superintendentur zugeteilt. Hier wurde Bajcsy auf der Synode 1925 zum Superintendent-Stellvertreter der Wiener Diözese H.B., die ganz Österreich umfasste, gewählt. - Ende 1938 trat er nach 41 Dienstjahren in den Ruhestand, den er in Oberwart verbrachte. Aber auch dann, vor allem während des Zweiten Weltkrieges, stand er immer wieder seinen Amtsbrüdern seelsorglich zur Seite; so betreute er jahrelang die Evangelische Pfarre A.B. in Sziget in der Wart. Julius Bajcsy verstarb am 1. November 1957 in Oberwart.
Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER
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