Oberwarter Zeitung vom 4. September 1949: "Das Rathaus von Oberwart"

Oberwarter Zeitung vom 4. September 1949: "Das Rathaus von Oberwart"

Oberwarter Zeitung vom 4. September 1949 - Das erste Rathaus in Oberwart wurde nach Sandor Topler 1906, nach "Die Obere Wart" 1907 erbaut. Im untenstehenden Artikel wird die Fertigstellung 1905 angegeben. - Es wurde 1945 durch einen Brand zerstört, nach den Plänen von Architekt Tibor Brestyansky neu- bzw. wiederaufgebaut und im Jahre 1949 wiedereröffnet. Im Jahre 2017 wurde das Haus saniert und nochmals erweitert und am 17. September erneut seiner Bestimmung übergeben. - Hier der Artikel in seiner vollen Länge: „Fast vor 50 Jahren war es. Man schrieb das Jahr 1904, als man den Grundstein legte zu dem ersten Rathaus. Fast 50 Jahre - was hat diese lange Zeitspanne für eine Unmenge Ereignisse über das kleine Fleckchen Erde gebracht und über die Menschen, die auf demselben leben. Wie vieles hat sich geändert in diesen vielen Jahren, Menschen kamen, Menschen gingen, wurden geboren und starben. Altes fiel und Neues erstand. Vieles war anders gewesen und hat sich in diesen 45 Jahren von Grund auf geändert. Oberwart ist größer geworden, hat zugenommen an Bevölkerungszahl. Bereits im Jahre 1904 machte sich das ständige Wachsen der damaligen Gemeinde Oberwarth bemerkbar und so beschlossen die seinerzeitigen Gemeindeväter, an ihrer Spitze Bürgermeister Sisko, oder wie es damals hieß, Gemeinderichter Sisko, ans Werk zu gehen, und nachdem die alten Gemeindekanzleien, die in den Räumen der jetzigen Geschäftslokale Schreiner, Gorell usw., untergebracht waren, den immer steigenden Anforderungen der Gemeinde nicht mehr genügten, mit dem Bau eines neuen, entsprechenden Rathauses zu beginnen. Aus diesem Beschluß ist Wirklichkeit geworden, und bereits im gleichen Jahre wurde der Rohbau nach den Plänen des Architekten Grimm aus Körmend fertiggestellt. Das Jahr 1905 brachte dann die Vollendung des im Jahre 1904 begonnenen Werkes und die Amtsräume der damaligen Gemeindevorstehung wurden in das neuerbaute Rathaus verlegt. Dort waltete der verdienstvolle Bürgermeister Sisko weiterhin seines Amtes, bis er sich nach 36jähriger Dienstzeit in das Privatleben zurückzog. Am 6. Juni 1942 wurde Altbürgermeister Sisko in ein besseres Jenseits abberufen. - Aus Oberwart ist im Laufe der Jahre eine Großgemeinde und dann schließlich eine Stadt geworden. Es erhielt eine Kaserne, ein modernes Kino, ein den Anforderungen der Zeit in jeder Hinsicht entsprechendes Krankenhaus. Gepflegte Parkanlagen entstanden, Häuser wurden erbaut und Geschäfte eröffnet. - Dann kam das verhängnisvolle Jahr 1938 und mit ihm das Naziregime. Doch wie im Wandel der Zeit alles vorübergeht, ging auch dieser Kelch des Leides an der Menschheit und damit auch an Oberwart vorbei. Es kam der grausame Krieg und die Kriegsfurie fegte auch über Oberwart hinweg und hinterließ ihre unheilvollen Spuren. Am Abend des 5. April 1945, um ¾ 8 Uhr war es, als im Rathausgebäude in Oberwart Feuer ausbrach und die hellen Flammen gegen den Abendhimmel loderten, als das Rathaus bis auf die Grundmauern eingeäschert wurde. Drohend und finster stand sodann die Ruine des einstmals so schönen Gebäudes und die ausgebrannten Fenster starrten gleich leeren Augenhöhlen blicklos ins Leere und gaben Zeugnis von einem furchtbaren Geschehen. - Als nach dem endgültigen Zusammenbruch des Naziregimes Herr Franz Asboth als nunmehriger Bürgermeister der Stadt Oberwart die Leitung der Amtsgeschäfte übernahm, begann derselbe bereits mit den Beschlüssen eines Wiederaufbaues des vernichteten Rathausgebäudes. Bürgermeister Franz Michel, als Nachfolger des Bürgermeister Asboth, schritt bereits zur Ausführung des Beschlusses und übertrug die Bauarbeiten dem Stadtbaumeister Steurer, der dieselben auch sofort nach den Plänen des Architekten Brestyanski in Angriff nahm. Doch wurde die Fortsetzung des Baues durch oftmals eintretende Lieferschwierig des notwendigen Materiales sehr behindert, wodurch naturgemäß die Fertigstellung eine geraume Zeit beanspruchte. Erst dem Nachfolger des Bürgermeister Michel, dem jetzigen Bürgermeister Eugen Strauß, ist es nach mehrmaliger, eindringlicher Intervention bei der Landesregierung in Eisenstadt gelungen, den Rathausbau in seiner jetzigen Schönheit zu vollenden. Mit großzügigen Veranstaltungen und Festlichkeiten wird am 4. September 1949 die Weihe des neuerbauten Rathauses erfolgen“.

JAHR DER ENTSTEHUNG

1949

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Wolfbeisz Peter

Herkunft des Bildes: Privatbesitz

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